Der kleine Graue
Fasst man die Geschichte der dänischen Agrarmechanisierung nach 1945 zusammen, kommt man am Traktormodell Ferguson TE-20 nicht vorbei. Dies lässt sich mit dem Wirtschaftshilfeprogramm „Marshallplan“ erklären, das der US-Außenminister George C. Marshall 1947 Westeuropa anbot. Ziel des Plans war zum einen der wirtschaftliche Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg, zum anderen die Eindämmung des Einflusses der kommunistischen Sowjetunion auf dem europäischen Kontinent. Der Weg zu mehr Wachstum und Wohlstand führte über eine effiziente und mechanisierte Landwirtschaft, die reichlich Nahrungsmittel produzierte und nicht von traditionellen und langsamen Pferdestärken abhängig war. In Dänemark führte dies dazu, dass bereits 1948 6.500 Traktoren des Modells TE-20 über Großbritannien geliefert wurden.
Aber was genau konnte dieser Traktor? Zunächst einmal wog er nicht mehr als 1100 kg. Das geringe Gewicht ermöglichte es dem Traktor, sowohl lockeren als auch weichen Boden zu befahren. Da das Modell so leicht war, wurde auch nicht viel Motorleistung auf den Traktor selbst übertragen. Diese konnte hingegen zum Ziehen von Pflug, Egge und anderen Feldgeräten verwendet werden. In Bezug auf das Fahren und die Handhabung der Feldgeräte hatte der Ferguson-Traktor eine völlig einzigartige Funktion: die sogenannte Dreipunktaufhängung. Diese Aufhängung ermöglichte es, die angehängten Feldgeräte über einen Hebel am Fahrersitz anzuheben und abzusenken. Gleichzeitig ermöglichte dieses System die Regulierung der Pflugtiefe, und das leichte Fahrzeug konnte in alle Ecken der Felder fahren. Keine pflugfreien Flächen und „Feiertage“ mehr auf dem Feld. Alles konnte bestellt werden, was natürlich zu besseren Ernteerträgen führte.
Dänische Landwirte waren in den 1940er und 1950er Jahren an Pferdefuhrwerke gewöhnt. Daher hatten nur sehr wenige Menschen zuvor einen Traktor gefahren oder auch nur gesehen. Der Ferguson TE 20 hatte hier den Vorteil, dass sich sein Lenksystem kaum von dem eines Pkw der damaligen Zeit unterschied, mit dem einige Dänen trotz Krieg und Mangelgesellschaft Erfahrung hatten. Das Werk hatte außerdem das Lenksystem des Traktors bewusst so leicht und unkompliziert wie möglich gehalten. Beispielsweise waren die Brems- und Kupplungspunkte so schwach, dass sogar ein Kind den Traktor fahren konnte. Der Motor des Ferguson-Traktors war nicht komplizierter als bei den Autos der damaligen Zeit, und da nur zwei Arten von Schrauben und Muttern verwendet wurden, konnte ihn der örtliche Schmied oder Automechaniker erschwinglich reparieren. In puncto Benutzerfreundlichkeit, Aufbau, Konstruktion und Wartung war der Ferguson TE 20 in jeder Hinsicht ein Gewinner.

