Ein neuer und leichter Pflugtyp
Im 18. Jahrhundert experimentierten findige Menschen in Holland und Großbritannien mit neuen Pflugmodellen, die den traditionellen Radpflug, der jahrhundertelang die Feldarbeit dominiert hatte, ersetzen konnten. Das Ergebnis war ein deutlich kleinerer und damit deutlich leichterer Dreieckspflug. Während der Radpflug überwiegend aus Holz gefertigt war, bestand der neue Pflug überwiegend aus Eisen. Dennoch war er so leicht, dass er ohne Radunterstützung auskam. Zudem konnte er von nur zwei Pferden gezogen und von einem Mann manövriert werden. Der neue Pflugtyp wurde als Schwingpflug bekannt.
Die Erfindung machte schwere Pflugarbeiten in jeder Hinsicht billiger, einfacher und zeitsparender als zuvor. Da der Schwingpflug weniger Zugtiere benötigte als der Radpflug, konnten Pferdestärken für andere Aufgaben freigesetzt werden. Da der Schwingpflug nur zwei Pferde benötigte, konnten zudem kleinere Flächen für den Anbau von Hafer und anderem Pferdefutter genutzt werden. Weniger Pferde bedeuteten auch, dass keine großen Flächen mehr für die Sommerweide der Pferde freigehalten werden mussten. Die frei gewordenen Felder konnten für den Anbau von Getreide und anderen Nutzpflanzen genutzt werden.


„Unwillen, ein neues Tool zu verwenden“
Es war die Königlich Dänische Landwirtschaftsgesellschaft, die sich für alles interessierte, was die Feldarbeit verbesserte, die sich ernsthaft für die Einführung des Schwingpflugs in Dänemark einsetzte. Schon 1770 wurde ein Pflugversuch veranstaltet, bei dem norwegische Schwingpflüge den traditionellen Radpflug überflügelten. Im selben Zeitraum kaufte die Gesellschaft auch mehrere ausländische Schwingpflüge für künftige Demonstrationspflüge. In den 1820er- bis 1840er-Jahren veranstaltete die Landwirtschaftsgesellschaft auf Seeland und Jütland auch Wettbewerbspflüge mit dem Schwingpflug. Ziel war es, „die Abneigung der Bediensteten gegenüber der Benutzung eines neuen Werkzeugs zu überwinden und ihren Sinn für gutes Pflügen zu wecken, indem die geschicktesten Pflüger belohnt wurden“. Wer den modernen Schwingpflug beherrschte, dem winken eine stattliche Summe Geld, Ehre und Ruhm.
Trotz Informationskampagnen, Preisen und Vorführungen der hervorragenden Eigenschaften des Schwingpflugs standen viele dänische Landwirte dem neuen Pflug mehr als skeptisch gegenüber. Erstens glaubten sie nicht, dass der Schwingpflug so tief in den Boden schnitt wie der Radpflug. Zweitens erforderte die Kontrolle des Schwingpflugs eine gewisse Erfahrung. Ein erstaunter Bauer aus Fünen beschrieb den Schwingpflug zudem als „völlig jenseits aller Vernunft“, während ein anderer Bauer zu dem Schluss kam, man müsse dem Schwingpflug hinterherlaufen, um überhaupt mithalten zu können. Nicht ohne Grund beklagte sich daher der anonyme Autor des praktischen Handbuchs „Lommebog for Bønder“ 1792, die Bauern Nordjütlands würden die Schwingpflüge nicht kennen, sondern wie früher mit Radpflügen pflügten. In der Gemeinde Kragelund in Mitteljütland wählte die Landhusholdningsselskabet daher in den 1830er Jahren eine völlig andere Strategie, als sie die Qualitäten des Schwingpflugs demonstrieren wollte. Der Verein stellte dem Gemeindevogt einfach einen Pflug zur freien Verfügung. So konnte der Gemeindebeamte im wahrsten Sinne des Wortes mit gutem Beispiel vorangehen.
Erst in den 1850er Jahren begann der Schwenkpflug bei den Bauern wirklich Anklang zu finden. Dies lag nicht zuletzt daran, dass dänische Fabriken und Eisengießereien nun Schwenkpflüge und die dazugehörigen Ersatzteile in guter Qualität selbst herstellen konnten. Dies geschah zu deutlich günstigeren Preisen als die Schwenkpflüge, die zuvor teuer von ausländischen Herstellern importiert werden mussten.
