Die erste Welle der Mechanisierung
Die Mechanisierung ist in der dänischen Landwirtschaft kein völlig neues Phänomen. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden neue Maschinen wie Sämaschinen, Düngerstreuer, Erntemaschinen und Dreschmaschinen eingeführt. Dies sorgte für großes Aufsehen, da die Menschen nun bei vielen der schwierigsten Arbeiten Hilfe bekamen. Einige der Maschinen kamen insbesondere aus den USA, wo die Entwicklung rasant voranschritt. In Dänemark verbreiteten sich die neuen Maschinen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als auch dänische Hersteller von Landmaschinen und Werkzeugen in das Feld einstiegen. Handwerkzeuge und Handarbeit wurden nun teilweise durch mechanische Lösungen und Maschinen ersetzt. Die Maschinen ersetzten frühere Werkzeuge wie Sensen zum Ernten und Dreschflegel zum Dreschen.


Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg
Trotz der ersten Mechanisierungswelle war die dänische Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg noch immer von Handarbeit und Handwerkzeugen geprägt. Viele Arbeiten auf dem Feld und im Stall waren körperlich anstrengend. Nur wenige Bauernhöfe hatten Melkmaschinen eingeführt. Die Melkarbeit war zermürbend, und die jährlich über 5 Milliarden Kilogramm Milch – etwa so viel wie heute – wurden noch immer von Hand gemolken.
Genau wie die Melkmaschine musste man in der dänischen Landwirtschaft lange nach Traktoren suchen. Nur wenige der größten Bauernhöfe und Herrenhäuser hatten in der Zwischenkriegszeit Traktoren wie einen Marris-Harris Wallis oder einen Fordson N angeschafft. Die Werkzeuge, die Feldmaschinen und die Arbeitswagen wurden daher fast überall von Pferden gezogen. Kurz nach dem Krieg gab es in der dänischen Landwirtschaft über 600.000 Pferde, die zusammen mit den Bauern und den vielen Helfern auf den über 200.000 landwirtschaftlichen Anwesen eine uralte Arbeitsgemeinschaft zwischen Tier und Mensch bildeten.
Die zweite Welle der Mechanisierung
Doch die alte Arbeitsgemeinschaft – und die Landwirtschaft insgesamt – erlebte in den folgenden Jahrzehnten einen erheblichen Umbruch. Es begann mit Melkmaschinen, und in den 1950er Jahren hatten fast alle Bauernhöfe Melkanlagen im Kuhstall installiert. Das alte Melken mit der Hand wurde durch Saugnäpfe, Vakuumpumpen und Rohre ersetzt.
Fast ebenso schnell erfolgte der Einzug des Traktors in die dänische Landwirtschaft. Besonders der in England hergestellte „kleine Graue“ Ferguson In den 1950er Jahren wurde die Traktorentechnik in der dänischen Landwirtschaft populär. Die Zahl der Traktoren stieg von knapp 5.000 im Jahr 1944 auf über 160.000 im Jahr 1965. Das bedeutete, dass fast alle Bauernhöfe nun Traktoren anstelle von Pferden als Zugmaschine einsetzten. Im gleichen Zeitraum verschwanden über eine halbe Million Pferde aus der Landwirtschaft.
Die Einführung des Traktors unterstreicht den besonderen Charakter der zweiten Mechanisierungswelle nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Gegensatz zu den früheren Maschinen, die oft von Pferden gezogen wurden, basierte die neue Mechanisierung auf einem erhöhten Verbrauch fossiler Brennstoffe. Dies bedeutete, dass die neuen Maschinen weitaus leistungsstärker waren als die vorherigen.
Der Traktor wurde zu einer Ikone der neuen Ära, in die die Landwirtschaft insbesondere in den 1950er Jahren eintrat. Die zusätzliche Leistung ermöglichte das Ziehen größerer und schwererer Geräte. Die Traktoren waren außerdem mit hydraulischen Dreipunktaufhängungen ausgestattet, an denen Geräte und Maschinen montiert werden konnten. Mit der Dreipunktaufhängung konnten beispielsweise größere Pflüge oder Feldspritzen über einen Mechanismus einfach angehoben und abgesenkt und so wesentlich einfacher gehandhabt werden.
Mindestens ebenso wichtig wie die Dreipunktaufhängung war die Zapfwelle, bei der die Bewegungsenergie des Traktormotors über eine rotierende Welle auf die Maschinen übertragen wurde. Der Mechanismus in Sämaschinen, Düngerstreuern, Spritzen und unzählige andere Tools konnten nun stabil und mit voller Leistung laufen.


Neue Maschinen und technische Anlagen
Der Grünrüher war eine der neuen Maschinen, bei denen die Zapfwelle besonders zum Tragen kam. Die mühsame Arbeit des Rübenköpfens wurde nun durch eine Maschine ersetzt, die die Rüben gleichzeitig köpfen, die Blätter zerkleinern und direkt in einen Wagen blasen konnte. Die ersten Grünrüher kamen Ende der 1950er Jahre auf den Markt und verbreiteten sich im folgenden Jahrzehnt.
Auch die Getreideernte wurde deutlich effizienter. Die neuen Mähdrescher, die in den 1960er Jahren in die dänische Landwirtschaft Einzug hielten, ersetzten die bisherigen Selbstbinder und Dreschmaschinen. Die Arbeit, die zuvor von zwei separaten Maschinen erledigt wurde, wurde nun in einer einzigen riesigen Maschine vereint.
Nach der Einführung der Melkmaschinen wurden auch zahlreiche weitere neue Maschinen und technische Einrichtungen eingeführt, die die Arbeit in den Ställen erleichterten. Dazu gehörten beispielsweise Entmistungsanlagen und später Spaltenböden und Güllekanäle, die viele bisherige Arbeiten überflüssig machten. Auch die Fütterung wurde durch neue motorbetriebene Futterwagen und später automatische Fütterungssysteme mechanisiert.
Die Helfer verschwinden und die Landschaft verändert sich
Die Mechanisierung sparte somit Arbeitskräfte in der gesamten Landwirtschaft und war von entscheidender Bedeutung in einer Zeit, in der Hilfskräfte vom Land in die Städte zogen, um besser bezahlte Jobs im wachsenden Industrie- und Dienstleistungssektor zu finden. Die über 200.000 Hilfskräfte im Jahr 1950 waren bis 1970 auf rund 30.000 geschrumpft. Die Maschinen ersetzten Menschen, was auch das Leben auf den Bauernhöfen und in den Dorfgemeinschaften veränderte, wo plötzlich viel weniger Menschen lebten.
Nicht nur Arbeit und Leben auf den Bauernhöfen veränderten sich mit der Mechanisierung. Auch die Agrarlandschaft veränderte sich in dieser Zeit deutlich. Mit dem Verschwinden der Pferde wurden große Flächen, die zuvor für den Anbau von Pferdefutter genutzt wurden, für andere Zwecke freigegeben. Insbesondere der Gerstenanbau schritt voran, was die wachsende Schweineproduktion unterstützte, die bis heute die dänische Landwirtschaft prägt. Generell wurden die Felder größer, um die neuen Maschinen optimaler nutzen zu können, und mit dem steigenden Verbrauch von Kunstdünger und Pestiziden wurden die Felder auch gleichmäßiger.


Spezialisierung und Strukturentwicklung
Die Mechanisierung der Landwirtschaft war eng mit einer weiteren Entwicklung verbunden: der Spezialisierung. Die neue mechanisierte Technik wurde in Ställen und auf Bauernhöfen eingesetzt, die sich zunehmend auf die Milch- oder Schweineproduktion spezialisierten. Bis etwa 1970 hielten die meisten Bauernhöfe sowohl Schweine als auch Kühe, doch in den 1970er Jahren setzte sich die Spezialisierung so richtig durch, dass 1980 nur noch ein Drittel aller Bauernhöfe beide Tierarten hielten.
Die Mechanisierung nach dem Zweiten Weltkrieg übertrug sich rasch auf weitere Aspekte des großen Umbruchs in der Landwirtschaft. Mechanisierung und Spezialisierung führten zu einer deutlichen Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität, was wiederum zu einer sogenannten Strukturentwicklung führte. Die rund 200.000 kleinen und mittleren, vielseitigen landwirtschaftlichen Betriebe, die es 1950 noch gab, sind heute auf knapp 6.000 Vollerwerbsbetriebe geschrumpft, die sich durch hohe Spezialisierung und Großbetriebsführung auszeichnen.
Die umfassenden Veränderungen, die die Landwirtschaft durch Mechanisierung, Spezialisierung und Strukturentwicklung erfahren hat, führen dazu, dass die Felder heute auf eine Art und Weise bestellt und Tiere gehalten werden, die für einen Landwirt aus dem Jahr 1950 kaum wiederzuerkennen wäre. Mit anderen Worten: Die Landwirtschaft hat innerhalb weniger Generationen einen umfassenden Wandel durchlaufen.
