Neue Pflugtypen im Fokus
Seit der Gründung im Jahr 1769 war die Steigerung der Ernteerträge eine der wichtigsten Prioritäten der Landwirtschaftlichen Gesellschaft. Daher bestand großes Interesse an allen neuen Nutzpflanzen und Feldgeräten, die zu dieser Entwicklung beitragen konnten. Dabei standen nicht zuletzt neue Pflugtypen im Mittelpunkt. Dafür gab es mehrere gute Gründe. Seit über tausend Jahren benutzten die Menschen in Dänemark und Europa den traditionellen und schweren Radpflug, der größtenteils aus Holz bestand, auf Rädern lief und zum Ziehen von bis zu acht Pferden oder Ochsen benötigt wurde.
Bessere Pflüge, die mühelos durch den Boden glitten und ihn durchschnitten, machten Pferde buchstäblich frei, sodass ihre Pferdestärke für andere Aufgaben eingesetzt werden konnte. Da weniger Pferde benötigt wurden als zuvor, mussten keine Weiden und Haferfelder mehr für Pferdefutter reserviert werden. Dies eröffnete die Möglichkeit, diese freien Flächen als sanfte Getreidefelder zu nutzen, deren Erträge Handel, Umsatz und Nahrungsmittelversorgung zugutekamen.
Aus demselben Grund experimentierten kluge und einfallsreiche Menschen im 18. Jahrhundert in Großbritannien und den Niederlanden mit der Entwicklung völlig neuer Pflugkonstruktionen. Das Ergebnis waren verschiedene Versionen eines leichten Dreieckspfluges, der aufgrund seiner Wendigkeit schnell als „Schwingpflug“ bekannt wurde.


Dänemarks erster Pflugtest
Da zwischen Großbritannien und Norwegen enge Handelsbeziehungen bestanden, tauchten die ersten englischen Schwenkpflüge auf dem Herrenhaus Falkensten am Oslofjord auf. In dieser Gegend gab es bereits eine ausgedehnte Eisenindustrie, und so versuchten die örtlichen Schmiede schon bald, nach dem Vorbild der britischen Modelle ihre eigenen norwegischen Schwenkpflüge herzustellen.
Als die Landshuholdningsselskabet in Kopenhagen von der Produktion norwegischer Nachbauten erfuhr, kontaktierte sie umgehend den Gerichtsvollzieher in Falkensten, der ebenfalls zu den norwegischen Mitgliedern des Unternehmens gehörte. In dem Brief wurde der Gerichtsvollzieher gebeten, zwei Schwenkpflüge sowie einen erfahrenen Mann, der sie fahren konnte, nach Seeland zu schicken. Zweck dieses Auftrags war es nicht nur, die neuen Pflüge nach Dänemark zu bringen, sondern sie auch in Aktion zu sehen. Um die Vorteile des Schwenkpflugs besser kennenzulernen, war es natürlich notwendig, ihn mit anderen Pflugtypen zu vergleichen. So konnte man selbst sehen, welcher Pflugtyp in Dänemark am besten funktionierte.
Zusammen mit einem weiteren norwegischen Pflug, einem traditionellen Radpflug und nicht zuletzt einer Kopie des berühmten schottischen Rotherham-Pfluges sollten die Pflüge aus Falkensten nun auf die Probe gestellt werden. Es war Dänemarks erster Pflugtest, hinter dem das Unternehmen stand. Die Vorführung fand am Donnerstag, dem 18. Oktober 1770, um 10:00 Uhr auf den Feldern von Schloss Bernstorff statt.
Der Radpflug: Völlig hoffnungslos zu handhaben
Der Pflugtest fiel deutlich zugunsten der beiden Pflüge aus Falkensten aus. Der dritte norwegische Pflug hingegen hatte seine Aufgabe nicht ganz so gut bewältigt. Noch überraschender war, dass der Rotherham-Pflug, dessen Konstruktion ansonsten international Anerkennung gefunden hatte, tatsächlich nicht besonders gut abschnitt. Dies lag vermutlich nicht am Pflug selbst, sondern eher daran, dass der Mann, der Pferde und Pflug lenkte, noch nie einen Rotherham-Pflug gefahren hatte. Am schlechtesten von allen Vorführpflügen war der Radpflug.deren Langsamkeit und Zeitverschwendung„Nach Ansicht der Richter war es dadurch völlig hoffnungslos, damit zu arbeiten.“
Aufgrund des großen öffentlichen Interesses am ersten Pflugversuch veranstaltete das Unternehmen bis 1775 jährlich solche Demonstrationspflüge. Für diese Vorführungen bestellte das Unternehmen daher nicht weniger als zehn neue Schwenkpflüge aus Norwegen.

